Ganze 45 Rebsorten gedeihen in der Bündner Herrschaft. Daraus entstehen unzählige Weine. Der beliebteste unter ihnen ist der Pinot Noir.
Herr Kis, die Bündner Herrschaft wird auch als «Die kleine Gegend der grossen Weine» bezeichnet. Warum ist das so?
Klein bezieht sich in diesem Fall tatsächlich auf die Anbaufläche der Herrschaft. Mit gerade einmal 400 Hektaren zählen die vier Gemeinden Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans eher zu den kleineren Weinbauregionen. Das ist gerade mal ein Siebtel der gesamten Anbaufläche innerhalb der Deutschschweiz. Zum Vergleich: Das grösste Weinbaugebiet der Welt ist La Mancha in Spanien mit einer Grösse von ca. 190’000 Hektaren. Damit ist die Bündner Herrschaft zwar ein eher kleines Weinbaugebiet, aber die Qualität der Weine spricht für sich. Die von der Kritik hoch gelobten Tropfen sind meist schon verkauft, bevor sie fertig abgefüllt sind. So begehrt sind sie.
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« Klein, aber oho, beschreibt die Bündner Herrschaft perfekt.»
Besonders der Pinot Noir hat sich in der Region etabliert. Wie kam es dazu?
Das liegt wohl vor allem am Terroir der Bündner Herrschaft. In der Weinsprache steht dieser Begriff für die natürliche Umgebung, in der Weine entstehen. Man könnte auch sagen, es ist das Ambiente, in dem die Trauben wachsen. Dazu gehören Faktoren wie Boden, Klima, Mensch und Topografie. Diese umfasst die Anbauhöhe, die Ausrichtung des Hangs in Richtung Norden oder Süden sowie dessen Lage zu einem Fluss oder Berg. Auch das Wetter spielt als variabler Faktor eine wichtige Rolle.
Also ist das Terroir der Bündner Herrschaft perfekt für einen richtig guten Pinot Noir?
Das könnte man so sagen. Die Pinot Noir Traube ist eine raffiniert-komplexe Traube mit einer sehr dünnen Schale. Zudem wächst sie sehr eng, sodass besonders viele Trauben nah beieinander sind. Das macht sie äusserst anfällig für Umwelteinflüsse.
Welche Rolle spielen dabei die Begebenheiten der Region?
Die Pinot Noir Reben wachsen in der Bündner Herrschaft in einem milden Klima und auf kalkhaltigen Schieferböden. Das sind schon mal gute Voraussetzungen für das Wachstum. Zudem profitieren die Weingüter vom Bündner Föhn. Selbst wenn die Trauben mal nass geworden sind, trocknen sie durch den wehenden Wind relativ schnell, was die Bildung von Schimmelpilzen verhindert. Bei einer solch empfindlichen Traube ist das ausschlaggebend. Auch die Böden tragen dazu bei, die Trauben trocken zu halten. Diese sind eher steinig und leiten so das Wasser weg. Dadurch stehen die Reben nicht lange auf nassem Boden. Alles in allem ist das für den Pinot Noir ein ideales Terroir.

Seit einigen Jahren gibt es einen Event mit dem Namen «Faszination Pinot Noir». Wie ist der entstanden?
Der Pinot Noir löst bei Winzern und Sommeliers gleichermassen pure Begeisterung aus. So auch bei Francesco Benvenuto. Er ist ein erfahrener Sommelier und hat den Event ins Leben gerufen. Letztes Jahr bin ich hinzugestossen und darf diesen nun fortführen.
Was erwartet die Gäste an diesem Event?
Exzellenter Wein, versierte Winzer und inspirierende Gespräche. Wir möchten mit diesem Event allen, die ihre Faszination für den Pinot Noir teilen, eine Plattform bieten. Sowohl den Winzern als auch den Liebhabern. Uns geht es in erster Linie darum, einen regen Austausch und einen spannenden Wissenstransfer zu schaffen. Deshalb veranstalten wir unter anderem zwei Masterclasses und ein Walking Tasting.
Und worauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher ganz besonders freuen?
In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal einen Champagner-Apéro geplant. Das klingt vielleicht erstmal widersprüchlich, aber wir möchten uns an diesem Apéro bewusst vom Wein lösen und den Besuchern die Möglichkeit geben, ganz ungezwungen mit den Winzerinnen und Winzern ins Gespräch zu kommen.